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Indiengünstig FliegenSnowboard
 
Mittwoch8. Mai 2002

Auch der Himalaya ist nicht weit ....

Hi,
Um einein Eindruck von der Landschaft und den Bergen zu vermitteln mixe ich jetzt einfach mal meine beiden letzten Wochenenden. Vorletztes Wochenende sind wir mit 18 Leuten zum Raften auf dem Ganges aufgebrochen. Gegen fünf Uhr morgens haben wir Delhi in unserem eigenen kleinen Bus verlassen. Im Gegensatz zu meinen bisherigen Wochenendentrips sind wir also tagsüber per Bus gereist, nicht wie bisher nachts per Zug. Demzufolge waren auch die Eindrücke recht unterschiedlich.

Rafting auf dem Ganges
 

Wenige Kilometer hinter Delhi beginnt auch schon das ländliche Leben. Auf den Strassen bewegen sich die seltsamsten Vehicel: Ochsenkarren; Trekker mit Anhängern, die so voll gepackt sind, dass der Bus kaum daran vorbeikommt, dann oder wann ein Kleinwagen… Der Blick aus dem Fenster bietet doch ein sehr fremdes Bild. Egal wie unbewohnt und verlassen die Gegend aussehen mag, man sieht überall vereinzelt Menschen auf den Feldern. Ganz nebenbei gesagt, es sind zumeist Fraün, die die schwere Arbeit erledigen. Die Felder sind winzig, teilweise kaum grösser als 100 Quadratmeter. Dann oder wann tauchen Tümpel oder kleine Seen auf, in denen Abfall schwimmt, selbst einen Roller habe ich gesehen, der dort gewaschen wurde. Entsprechend dreckig ist das Wasser. Dann oder wann sieht man Leute, die ihre Klamotten selbst in diesen Dreckgewässern waschen. Leider kümmert sich in diesem Land niemand um Abfallentsorgung oder die Umwelt im Allgemeinen. Dies ist wohl ein Privileg der Staaten, die ansonsten keine grösseren Probleme mehr haben. Am Strassenrand sieht man immer wieder kleine Shops, wenige quadratmeter gross. Jeder einzelne hat seinen kleinen Pepsi oder Coca Cola Kühlschrank, ist übersäht mit Werbung für besagte Firmen und macht einen eher schäbigen Eindruck. Nachdem ich eine Weile eingenickt war, ist das Bild ein wenig verändert. Die Gewässer sind nicht mehr ganz so dreckig, dafür verschandeln Unmengen von kleinen Ziegelbrennereien die Bereiche in der Nähe der Strasse. Die Schornsteine russen erheblich und am Strassenrand liegt schwarze Schlacke rum. Auch hier sieht man nicht nur Männer, sondern auch einen grossen Teil Fraün Steine schleppen. Einige Stunden später wandelt sich das Bild doch erheblich. Wie nähern uns den Bergen. Der Rafting Trip in Rishikesh ist allerdings nur auf 300m, Demzufolge ist von grossem Gebirge auch noch nicht viel zu sehen. Die grünen Hügel/Berge ähneln ein wenig einem deutschen Mittelgebirge. Gegen 13.00 kommen wir endlich in dem Camp am Ganges an. Weisser Sandstrand, der Ganges, toller Ausblick, ruhe .... endlich raus aus Delhi.

... nun gut, hier soll aber auch schon schluss sein mit besagtem Wochenende. Das nächste hat mir schliesslich erheblich besser gefallen.

Letzten Freitag habe ich gegen 12.00 Uhr ein Buch in die Firma geliefert bekomen, dass ich bei einem Online Versand bestellt hatte. Meine Begeisterung das WE in Delhi zu verbringen hielt sich sehr in Grenzen und ich hatte sowieso schon überlegt mich auf den Weg in die Berge zu machen. Im Übrigen bin ich sehr interessiert an der Fortsetzung der Geschichte aus dem Buch, daher nahm ich dieses als Auslöser die Hauptstadt dieses lustigen Landes zu verlassen. Schnell eine mail an die Trainee-Mailing Liste geschrieben, ob mich jemand begleiten möchte, allerdings war die Resonanz nicht sonderlich gross. Ich bin also nach Hause gefahren, habe meine Sachen gepackt und noch kurz in einem anderen Trainee Appartement vorbeigeschaut, als mich Erika anrief. Die gute Frau hatte sich überlegt doch noch recht spontan mitzufahren. Respekt, immerhin hat sie es geschafft, in 15min aus ihrem Bürodress in Reiseklotten zu wechseln, Sachen zu packen und eine Kleinigkeit zu essen.

Auf dem Weg zum Bahnhof riefen mich zwei weitere Trainees an, dass sie auch zum Bahnhof kommen würden und mitwollten. Leider haben wir keine Tickets für den Zug mehr bekommen. Kurzerhand also auf Alternativ Medium Bus gewechselt (hatte ich schon erwähnt, dass ich Busfahrten hasse?). In Anbetracht der neunstündigen Busfahrt haben die anderen beiden allerdigs kapituliert. Muss an dieser Stelle allerdings gestehen, dass mir die Entscheidung auch nicht leicht gefallen ist, neun Stunden Bus sind einfach echt unbeqüm. Kleinigkeiten, wie dass wir dreimal den Bus gewechselt haben und drei Stunden in Delhi rumgestanden haben erwahne ich einfach mal gar nicht mehr, sowas ist mittlerweile normal ... ich rege nicht nicht mal mehr darüber auf :-) Egal, am nächten Morgen war alles vergessen. Mussourie hiess also die sogenannte Hill-Station. Gelegen auf ca. 2000m und entdeckt von vermutlich zu Tode gelangweilten britischen Kolonial-Offizieren vor ca 100 Jahren.

Die Natur gibt hier einiges her: auf dem Weg zu den Kempty Falls
 

Die Serpentinen hinauf boten schon sehr schonene Blicke. Aber oben angekommen war es einfach unglaublich. Überall schöne, grosse Häuser und Hotels in den Wäldern auf dem Berg verstreut, traumhafte Aussicht über die 'Voralpen' des Himalaya. Die Landschaft ist eben doch anders als in den Alpen, auch wenn Berge im prinzip ja schon ähnlich aussehen... Der Ort hat ein recht eigenens Flair. Eine Mischung aus indischen Touristen, tibetanischen Flüchtlingen und britischer Konlonial Infrastruktur. Westliche Touristen haben wir dagegen kaum gesehen. Wir haben uns einen kurzen Überblick über den Ort verschafft und ein Hotelzimmer gesucht. Leider haben wir uns für die Variante entschieden Frühstück ausserhalb des Hotels zu geniessen. Auf der Suche nach Cornflakes sind wir also aus fünf oder sechs Restaurants wieder verschwunden, da leider niemand damit dienen konnte. Dumm gelaufen! Nach ein wenig shopping haben wir uns also zu einem kleinen Trek entschlossen. Der Weg zu den Kempty Falls ist 15km auf der Strasse, aber unser Hotelier berichtete uns von einer sehr schönen Abkürzung. Prinzipiell hattenn wir auch verstanden, wie man dort hinkommt ... naja aber wie das nun mal so ist, haben wir natürlich nicht auf Anhieb den Weg

gefunden. Vermutlich haben wir mehr als 20mal gefragt, und die Antworten waren doch sehr verschieden: von Achselzucken oder 'eine Abkürzung gibt es nicht' über 'das findet ihr nie' hin zu 'das ist aber ein schwieriger weg, nehmt doch den bus'. Na gut, aber von diesen kleinen Schwierigkeiten liessen wir uns nicht Abhalten und haben mit viel Hilfe auch den Weg gefunden. Unterwegs hat uns ein tibetanisches Mädel mit Hilfe Ihrer Mutter versucht eine Karte zu malen...allerdings war die ebenso hilfreich wie das allseits beliebte 'da lang'. Dafür waren sie sehr nett :-) Unterwegs hatte Erika das dringenden Bedürfnis eine Toilette zu benutzen. Gut, also kurzerhand über ein Tor geklettert um zu dem Hotel zu kommen, dass glücklicherweise wenige Minuten später auftauchte... auf dem Gelände haben wir dann realisiert, dass es sich um eine Privatschule handelte. Der Security-Mensch war gar nicht begeistert von unserer Idee, einfach über das Tor zu klettern und begann von Polizei zu reden.... Naja, wir konnten ihn dann aber doch überzeugen, dass es nicht unsere primäre Absicht war das Gebäude in die Luft zu jagen. Also weiter. Nicht das wir den Rest des Weges ohne mehrfaches Fragen gefunden hätten, aber schlisslich kamen wir in dem Tal an, durch welches sich der Bach zu dem Wasserfall schlängelte. Umgeben von vielen Baümen, bahnte sich der Bach seinen Weg durch das Tal. Das Wasser war wollkommen klar, Gebirgsbach eben, merkwürdige Bäume standen in der Nähe herum, überall kleine 'Wasserfälle' ... ist ein wenig schwierig zu beschreiben, aber uns beiden hat es super gut gefallen. Ich werde

Blick ueber die Berge in Mussourie
 

demnächst mal wieder ein paar Fotos ins Netz stellen. Den Abend haben wir damit verbracht uns der Herausforderung hinzugeben in der Öffentlichkeit Alkohol zu trinken. Auch wenn ich nicht den Eindruck habe, dass es wirklich streng kontrolliert wird, so ist es doch verboten in der 'auf der Strasse' Alkohol zu konsumieren. Zumindest haben wir uns auf einer Bank mit traumhaftem Blick über das Tal ein wenig Cola-Rum einverleibt und den Abend ausklingen lassen. Leider habe ich mir am nächsten Morgen einen recht starken Sonnenbrand auf den Unterarmen geholt, nachdem ich morgens um elf eine Stunde in der Sonne gelesen habe. Ich meine, wann hat man schon Sonnenbrand auf den Unterarmen?!? Unglaublich ... nach diversen Jahren Snowboarden bin ich noch immer nicht in der Lage Höhensonne richtig einzuschätzen ...verdammt :-)

Den Rest des Tages haben wir noch mit Shoppen, im Bistro sitzen und wandern verbracht, nicht sonderlich spannend, relaxt eben! Allerdings bin ich mir doch sehr sicher, dass ich nicht mehr ein einziges Wochenende in Delhi verbringen werde, wenn es nicht nötig ist. Der Schock nach Delhi zu kommen war am nächsten morgen auch entsprechend gross. Plötzlich fällt einem der Dreck, die Hitze, die Mosquitos, die Tiere auf den Strassen, die Huperei, einfach der ganze Lärm doch wieder viel extremer auf...

In diesem Sinne,

Christian:-)