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IndiengŁnstig FliegenSnowboard
 
Mittwoch 29. Mai 2002

Mal eben über die Berge gewandert ...

... oder wieviel Muskelkater braucht der Mensch?!

Hi,
vorgestern waren es drei Monate, die ich in Indien verbracht habe. Schon unglaublich,

Caro und Erika. Am Gipfel angekommen
 

die Zeit verfliegt zumeist doch schneller als erwartet. Nun gut, in meinem Streben die Zeit hier sinnvoll zu nutzen, habe ich mich also letzte Woche wieder auf den Weg in die Berge gemacht. Glücklicherweise sieht es mein Rupien-Geber nicht sonderlich eng mit meinen Arbeitszeiten, also habe ich mich erdreistet eine ganze Woche zu verschwinden. Nach der unangenehmen 16 stündigen Busfahrt kamen wir (das sind in diesem Fall Erika, eine Ungarin und Caro, ein Holländer) letzten Samstag in Manali an. Nach dem üblichen Tumult mit Rikshaw Fahrern und Hotel Besitzern haben wir uns für einen halbwegs unaufdringlichen Menschen entschieden und sind in seinem Auto zu seinem Gasthaus gefahren. Fix ausdikutiert, ob uns das Zimmer wirklich die 4 Euro durch drei Leute wert ist und zum bleiben entschieden. Allerdings wäre die Entscheidung sicherlich anders ausgegangen, wenn Felix früher ausgetaucht wäre. Felix ist eine pussierliche, leider über-Handteller grosse Spinne, die 10min später recht dicht an Caro's Kopf vorbei waberte. Unsere Begeisterung hielt sich logischerweise in Grenzen, aber immerhin versicherte man uns, dass die Viecher nur beissen aber nicht giftig sind. Na super, welch Erleichterung. Glücklicherweise ist Felix aber auch nicht mehr aufgetaucht. Nun gut, ein wenig gefrühstuckt, gelesen und auf um einen trekking Organisator zu finden. Schliesslich war das Ziel dieses Ausfluges eine viertägige Wander-Tour (um mir hier mal den entsprechenden Anglizismus 'trekking' zu sparen :-). Wenige Verhandel-Stunden und Frust später hatten wir also unseren Trip organisiert und konnten den Rest des Tages geniessen. Sehr lustige Stadt, unmengen on 'Hippi-Touristen', die dort anscheinend eine längere Zeit leben. Cannabis wächst wie Unkraut an den Strassenrändern und für 4000 Einwohner habe ich selten so viele Touristen gesehen.

Sonntag morgen geht es also los. Wir werden um 10.00 Uhr im Jeep vom Hotel abgeholt und starten nach Rumsu, ein kleiner Ort in der Nähe von Manli. Auf dem Weg sammeln wir noch den Rest der Crew ein, zwei Träger, Koch und Führer und weiter geht's. In Rumsu angekommen lasse ich Ma & Dad noch eben telefonisch wissen, dass ich zu Oma's Geburtstag am nächsten Tag leider nicht gratulieren kann, da ich mich wirklich in die Valachei verdrücke. Gegen Mittag brechen wir dann zum ersten Teilstück auf. Glücklicherweise hatten wir nicht sonderlich viel zu tragen: Klamotten, Isomatte, Schlafsack und jeweils Wasser für den Tag. Die anderen waren ein wenig schwerer bestückt mit zwei Zelten, Essen für 4 Tage mal sieben Leute, Kocher, Kerosin, Geschirr und eben dem Kram, die sie selber noch so brauchen. Der erste Tag war noch sehr relaxt. Die recht steilen Wegen haben wir mit diversen Pausen und PickNicks gespickt um die mit zunehmender Höhe besser werdende Aussicht zu geniessen. Am Endpunkt angekommen standen wir mitten auf einer von Bäumen umringten Almwiese. Diverse Kühe oxidierten in der Gegend rum und eine Gruppe von ca. 10 tibetanischen

Tibetanische Frauen, die Wolle spinnen
 

Fraün und Kindern sassen im Grass und produzierten aus direkt-vom-Schaf-Wolle richtige Wollfäden. War beeidruckt, wir haben dass nach ein wenig Kommunikation mit Händen und Füssen zwar auch versucht, waren allerdings nicht sonderlich erfolgreich. Gegen Abend haben hat unsere Crew ein Lagerfeür bereitet und wunderbares Essen gekocht. Leider haben wir uns aus der netten runde recht fix verabschiedet dank eines aufkommenden Gewitters. Die erste Nacht war eigentlich auch noch spassig. Ich meine, dass die Isomatten der anderen recht kalt waren, der Holländer mit seinen 1,98m eigentlich nicht richtig ins zelt passte und sein geliehener Schlafsack irgendwie auch nicht wirklich ein Schlafsack war, konnte mir recht egal sein. :-) Nun gut, am nächsten Morgen wurden wir mit Tee geweckt und haben anschliessend ein wunderbares Frühstuck mit Pfannkuchen, Omlette und Toast bekommen. Die Verköstigung während des ganzen Trips liess also wenig Wünsche offen. Gegen 10.00 brachem wir zur nächsten Etappe auf. Auch wenn der Blick nie richtig klar war tauchen langsam die ersten 6000er auf. Über diverse Waldwege und Almwiesen haben wir uns dann langsam der Baumgrenze genähert. Mittlerweile war die Temperatur auch beträchtlich gesunken. Klug wie wir waren sind wir eben alle mit T-Shirts und Sweatshirts in den Himalaya aufgebrochen. Naja, warum auch nicht ... immerhin hat man uns gesagt, dass wäre ok. Auskünfte sollte man hier einfach mindestens doppelt, besser dreifach einholen :-) Gut, nachdem wir fast eine Stunde durch eine Art Rhododendron Park gewandert sind (warum auch immer dort in Unmengen Rhododendron rumstehen), kamen wir an einem kleinen lehrstehenden Zelt an, welches unsere Crew für sich benutzt hat. Uns haben sie eben das gute Iglo Zelt aufgebaut, und wir haben in der Zeit schonmal versucht mit Tee der Temperatur entgegenzuwirken. Das Lager war auf 3300m, prinzipiell echt klasse, die

Der Blick von unserem Lager am 2. Tag (3300m)
 

Aussicht war auch wirklich spitze, dumm nur dass es einfach nicht wirklich warm war in besagten Höhen. Sprich wir haben alle Klamotten angezogen, die wir hatten. Einfach alles übereinander und schnell ans feür. Nachdem es dann sogar noch angefangen hat zu schneien haben wir uns fix an den Herd gemacht und versucht ein wenig Cola in den lokalen Shops zu bekommen (irgendwie hatten die Inder eine Flasche Whiskey mit). Die lokalen Shops waren dann zwei Zelte 300m weiter, die genau 2 Fl Cola und ein Packung Kekse hatten ... wir haben uns also einfach mal erdreistet den ganzen Laden aufzukaufen :-) Naja, richtig gewirkt hat es alles nicht, weder der Whiskey, noch der Herd, noch die Klamotten, wir haben einfach gefroren in der Nacht.
Der nächste Tag sollte uns aber für die Strapatzen der vorherigen Nacht entlohnen, immerhin haben wir den nach einer Stunden Wanderei in wunderschöner Umgebung, wenn auch mit diversen Schneefeldern den Pass auf 3350m erreicht. Wir haben uns gefühlt wir kleine Bergsteiger, war echt klasse! Eine Stunde die Aussicht genossen, gesonnt und schon gings weiter! Jetzt lagen 1000m Abstieg vor uns, die wir leider alle vollkommen unterschätzt haben. Ist mittlerweile genauch eine Woche her, und ich merke noch immer die Reste des Muskelkaters. Der Anfang war recht ok, aber nach 500m liess die Konzentration doch erheblich nach, und fallen war echt verboten. Vollkommen erschöpft sind wir irgendwann am Nachmittag am Rastplatz angekommen. Mittlerweile waren wir eben auch alle ziemlich gereizt, nicht nur weil wir einfach echt keinen Meter mehr laufen konnten, sondern weil Inder eben doch eine sehr relaxte Einstellung zu Zeiten und Entfernungen haben. Möchte nicht wissen, wie oft wir "nur noch 20min" oder "nur noch um die Ecke" gehört haben. Ein Stündchen und diverse

Tibetanerinnnen auf dem Weg ins Nachbardorf. (ueber den Pass!)
 

Kekse und Tee später hatten wir uns wieder ein wenig abgeregt und sind mit dem Führer in den Ort Malana gegangen. Ein seltsamer Ort. Nur zu Fuss erreichbar, enge Gassen und irgendwie fühlt man sich ins Mittelalter versetzt. Am einzigen Laden im Ort kauft ein Isräli eine Flasche Wasser, dafür muss er das Geld auf den Boden werfen, der Verkäufer hebt das Geld auf, stellt das Wasser auf den Boden, wirft das Wechselgeld dazu und der Isräli darf alles aufheben. Grund: Man darf nichts berühren, was Leuten aus dem Ort gehört. Überall hängen Schilder, die von einer Strafe sprechen, wenn man trotzdem irgendwas anfasst .... die spinnen die Inder!!! Aber immerhin blieb der Ort vom Massentourismus verschont, und da man nur zu Fuss hingelangt und der Weg doch ein wenig mühselig ist, wird das wohl auch noch eine Weile so bleiben...

Auch wenn wir am nächsten Tag vor Muskelkater kaum aus dem Zelt kamen haben sich die nächsten 1000m Abstieg doch auch nochmal sehr gelohnt. Die meisste Zeit sind wir neben einen Gebirgsbach hergelaufen, der sich über einige kleine Wasserfälle hinzog und in einem recht grossen Schmelzwasserfluss endete. Der ganze Weg war einfach malerisch und glücklicherweise vollkommen einsam. Kein Mensch die meiste Zeit. Allerdings waren wir wieder reichlich fertig als wir am Endpunkt unseres Treks ankamen! Glücklicherweise durfen wie die halbe Strecke zurück nach Manali auf dem Bach des Busses verbringen, da der Innenraum vollkommen überfüllt war. Gleich zu Beginn der vierstündigen Fahrt sind wir dann an einem anderen Bus vorbeigekommen, der reichlich schräg an einem Abhang stand. Nicht sehr motivierend für den Rest der Fahrt. Wir sind jedoch vollkommen erschöpft aber glücklich wieder in Manali angekommen. Unser Sightseeing in Manali wurde am nächsten Tag leider ein wenig vom Polizeiaufgebot erschwert, dass den Präsidenten bewachte und diverse Strassen und Brücken mal eben für eine Stunde oder länger gesperrt hat. Ist echt blöd, wenn man auf der falschen Seite den Flusses ist ...

Auch wenn der Hauptteil unserer 'Urlaubswoche' vorbei war und Caro sich wieder nach Delhi augemacht hat, sind wir den Abend noch nach McLeod Ganj aufgebrochen, der Residenzstadt des Dalai Lama im Exil. Leider hält sich der gute Mann zur Zeit noch in Australien auf, wie uns berichtet wurde. Ansonsten ist es wohl nicht ungewöhnlich ihn dort auch zu Gesicht zu bekommen. Wir haben uns dann aber auch nicht mehr sonderlich viel mir irgendwelchen Tempeln beschäftigt. Primär ausgespannt und die Aussicht genossen...

Mal abgesehen vom heftigsten Muskelkater meines Lebens bin ich echt schwer begeistert von dieser trekking Geschichte uns freü mich schon riesig darauf im Juli nochmal trekken zu gehen.

Grüsse aus der Ferne,

Christian.

Ps. Ich habe gehört, dass die Berichte über die aktülle Lage des Indien-Pakistan Konfliktes momentan doch ein wenig extrem sein sollen. Bisher habe ich davon wenig mitbekommen, hier kümmert sich eigentlich niemand um den Kaschmir-Konflikt. Vermutlich ist das ganze wieder nur Säbelrasseln. Ich hoffe also einfach mal, dass Indien und Pakistan bald wieder lieb züinander sind...