|

Mal eben über die Berge gewandert ...
... oder wieviel Muskelkater braucht der Mensch?!
Hi,
vorgestern waren es drei Monate, die ich in Indien verbracht habe.
Schon unglaublich,
 |
 |
| Caro und Erika. Am Gipfel
angekommen |
|
|
|
die Zeit verfliegt zumeist doch schneller als erwartet. Nun gut,
in meinem Streben die Zeit hier sinnvoll zu nutzen, habe ich mich
also letzte Woche wieder auf den Weg in die Berge gemacht. Glücklicherweise
sieht es mein Rupien-Geber nicht sonderlich eng mit meinen Arbeitszeiten,
also habe ich mich erdreistet eine ganze Woche zu verschwinden.
Nach der unangenehmen 16 stündigen Busfahrt kamen wir (das
sind in diesem Fall Erika, eine Ungarin und Caro, ein Holländer)
letzten Samstag in Manali an. Nach dem üblichen Tumult mit
Rikshaw Fahrern und Hotel Besitzern haben wir uns für einen
halbwegs unaufdringlichen Menschen entschieden und sind in seinem
Auto zu seinem Gasthaus gefahren. Fix ausdikutiert, ob uns das Zimmer
wirklich die 4 Euro durch drei Leute wert ist und zum bleiben entschieden.
Allerdings wäre die Entscheidung sicherlich anders ausgegangen,
wenn Felix früher ausgetaucht wäre. Felix ist eine pussierliche,
leider über-Handteller grosse Spinne, die 10min später
recht dicht an Caro's Kopf vorbei waberte. Unsere Begeisterung hielt
sich logischerweise in Grenzen, aber immerhin versicherte man uns,
dass die Viecher nur beissen aber nicht giftig sind. Na super, welch
Erleichterung. Glücklicherweise ist Felix aber auch nicht mehr
aufgetaucht. Nun gut, ein wenig gefrühstuckt, gelesen und auf
um einen trekking Organisator zu finden. Schliesslich war das Ziel
dieses Ausfluges eine viertägige Wander-Tour (um mir hier mal
den entsprechenden Anglizismus 'trekking' zu sparen :-). Wenige
Verhandel-Stunden und Frust später hatten wir also unseren
Trip organisiert und konnten den Rest des Tages geniessen. Sehr
lustige Stadt, unmengen on 'Hippi-Touristen', die dort anscheinend
eine längere Zeit leben. Cannabis wächst wie Unkraut an
den Strassenrändern und für 4000 Einwohner habe ich selten
so viele Touristen gesehen.
Sonntag morgen geht es also los. Wir werden um 10.00 Uhr im Jeep
vom Hotel abgeholt und starten nach Rumsu, ein kleiner Ort in der
Nähe von Manli. Auf dem Weg sammeln wir noch den Rest der Crew
ein, zwei Träger, Koch und Führer und weiter geht's. In
Rumsu angekommen lasse ich Ma & Dad noch eben telefonisch wissen,
dass ich zu Oma's Geburtstag am nächsten Tag leider nicht gratulieren
kann, da ich mich wirklich in die Valachei verdrücke. Gegen
Mittag brechen wir dann zum ersten Teilstück auf. Glücklicherweise
hatten wir nicht sonderlich viel zu tragen: Klamotten, Isomatte,
Schlafsack und jeweils Wasser für den Tag. Die anderen waren
ein wenig schwerer bestückt mit zwei Zelten, Essen für
4 Tage mal sieben Leute, Kocher, Kerosin, Geschirr und eben dem
Kram, die sie selber noch so brauchen. Der erste Tag war noch sehr
relaxt. Die recht steilen Wegen haben wir mit diversen Pausen und
PickNicks gespickt um die mit zunehmender Höhe besser werdende
Aussicht zu geniessen. Am Endpunkt angekommen standen wir mitten
auf einer von Bäumen umringten Almwiese. Diverse Kühe
oxidierten in der Gegend rum und eine Gruppe von ca. 10 tibetanischen
 |
 |
| Tibetanische Frauen, die Wolle spinnen |
|
|
|
Fraün und Kindern sassen im Grass und produzierten aus direkt-vom-Schaf-Wolle
richtige Wollfäden. War beeidruckt, wir haben dass nach ein
wenig Kommunikation mit Händen und Füssen zwar auch versucht,
waren allerdings nicht sonderlich erfolgreich. Gegen Abend haben
hat unsere Crew ein Lagerfeür bereitet und wunderbares Essen
gekocht. Leider haben wir uns aus der netten runde recht fix verabschiedet
dank eines aufkommenden Gewitters. Die erste Nacht war eigentlich
auch noch spassig. Ich meine, dass die Isomatten der anderen recht
kalt waren, der Holländer mit seinen 1,98m eigentlich nicht
richtig ins zelt passte und sein geliehener Schlafsack irgendwie
auch nicht wirklich ein Schlafsack war, konnte mir recht egal sein.
:-) Nun gut, am nächsten Morgen wurden wir mit Tee geweckt
und haben anschliessend ein wunderbares Frühstuck mit Pfannkuchen,
Omlette und Toast bekommen. Die Verköstigung während des
ganzen Trips liess also wenig Wünsche offen. Gegen 10.00 brachem
wir zur nächsten Etappe auf. Auch wenn der Blick nie richtig
klar war tauchen langsam die ersten 6000er auf. Über diverse
Waldwege und Almwiesen haben wir uns dann langsam der Baumgrenze
genähert. Mittlerweile war die Temperatur auch beträchtlich
gesunken. Klug wie wir waren sind wir eben alle mit T-Shirts und
Sweatshirts in den Himalaya aufgebrochen. Naja, warum auch nicht
... immerhin hat man uns gesagt, dass wäre ok. Auskünfte
sollte man hier einfach mindestens doppelt, besser dreifach einholen
:-) Gut, nachdem wir fast eine Stunde durch eine Art Rhododendron
Park gewandert sind (warum auch immer dort in Unmengen Rhododendron
rumstehen), kamen wir an einem kleinen lehrstehenden Zelt an, welches
unsere Crew für sich benutzt hat. Uns haben sie eben das gute
Iglo Zelt aufgebaut, und wir haben in der Zeit schonmal versucht
mit Tee der Temperatur entgegenzuwirken. Das Lager war auf 3300m,
prinzipiell echt klasse, die
 |
 |
| Der Blick von unserem Lager am 2.
Tag (3300m) |
|
|
|
Aussicht war auch wirklich spitze, dumm nur dass es einfach nicht
wirklich warm war in besagten Höhen. Sprich wir haben alle
Klamotten angezogen, die wir hatten. Einfach alles übereinander
und schnell ans feür. Nachdem es dann sogar noch angefangen
hat zu schneien haben wir uns fix an den Herd gemacht und versucht
ein wenig Cola in den lokalen Shops zu bekommen (irgendwie hatten
die Inder eine Flasche Whiskey mit). Die lokalen Shops waren dann
zwei Zelte 300m weiter, die genau 2 Fl Cola und ein Packung Kekse
hatten ... wir haben uns also einfach mal erdreistet den ganzen
Laden aufzukaufen :-) Naja, richtig gewirkt hat es alles nicht,
weder der Whiskey, noch der Herd, noch die Klamotten, wir haben
einfach gefroren in der Nacht.
Der nächste Tag sollte uns aber für die Strapatzen der
vorherigen Nacht entlohnen, immerhin haben wir den nach einer Stunden
Wanderei in wunderschöner Umgebung, wenn auch mit diversen
Schneefeldern den Pass auf 3350m erreicht. Wir haben uns gefühlt
wir kleine Bergsteiger, war echt klasse! Eine Stunde die Aussicht
genossen, gesonnt und schon gings weiter! Jetzt lagen 1000m Abstieg
vor uns, die wir leider alle vollkommen unterschätzt haben.
Ist mittlerweile genauch eine Woche her, und ich merke noch immer
die Reste des Muskelkaters. Der Anfang war recht ok, aber nach 500m
liess die Konzentration doch erheblich nach, und fallen war echt
verboten. Vollkommen erschöpft sind wir irgendwann am Nachmittag
am Rastplatz angekommen. Mittlerweile waren wir eben auch alle ziemlich
gereizt, nicht nur weil wir einfach echt keinen Meter mehr laufen
konnten, sondern weil Inder eben doch eine sehr relaxte Einstellung
zu Zeiten und Entfernungen haben. Möchte nicht wissen, wie
oft wir "nur noch 20min" oder "nur noch um die Ecke"
gehört haben. Ein Stündchen und diverse
 |
 |
| Tibetanerinnnen auf dem Weg ins Nachbardorf.
(ueber den Pass!) |
|
|
|
Kekse und Tee später hatten wir uns wieder ein wenig abgeregt
und sind mit dem Führer in den Ort Malana gegangen. Ein seltsamer
Ort. Nur zu Fuss erreichbar, enge Gassen und irgendwie fühlt
man sich ins Mittelalter versetzt. Am einzigen Laden im Ort kauft
ein Isräli eine Flasche Wasser, dafür muss er das Geld
auf den Boden werfen, der Verkäufer hebt das Geld auf, stellt
das Wasser auf den Boden, wirft das Wechselgeld dazu und der Isräli
darf alles aufheben. Grund: Man darf nichts berühren, was Leuten
aus dem Ort gehört. Überall hängen Schilder, die
von einer Strafe sprechen, wenn man trotzdem irgendwas anfasst ....
die spinnen die Inder!!! Aber immerhin blieb der Ort vom Massentourismus
verschont, und da man nur zu Fuss hingelangt und der Weg doch ein
wenig mühselig ist, wird das wohl auch noch eine Weile so bleiben...
Auch wenn wir am nächsten Tag vor Muskelkater kaum aus dem
Zelt kamen haben sich die nächsten 1000m Abstieg doch auch
nochmal sehr gelohnt. Die meisste Zeit sind wir neben einen Gebirgsbach
hergelaufen, der sich über einige kleine Wasserfälle hinzog
und in einem recht grossen Schmelzwasserfluss endete. Der ganze
Weg war einfach malerisch und glücklicherweise vollkommen einsam.
Kein Mensch die meiste Zeit. Allerdings waren wir wieder reichlich
fertig als wir am Endpunkt unseres Treks ankamen! Glücklicherweise
durfen wie die halbe Strecke zurück nach Manali auf dem Bach
des Busses verbringen, da der Innenraum vollkommen überfüllt
war. Gleich zu Beginn der vierstündigen Fahrt sind wir dann
an einem anderen Bus vorbeigekommen, der reichlich schräg an
einem Abhang stand. Nicht sehr motivierend für den Rest der
Fahrt. Wir sind jedoch vollkommen erschöpft aber glücklich
wieder in Manali angekommen. Unser Sightseeing in Manali wurde am
nächsten Tag leider ein wenig vom Polizeiaufgebot erschwert,
dass den Präsidenten bewachte und diverse Strassen und Brücken
mal eben für eine Stunde oder länger gesperrt hat. Ist
echt blöd, wenn man auf der falschen Seite den Flusses ist
...
Auch wenn der Hauptteil unserer 'Urlaubswoche' vorbei war und Caro
sich wieder nach Delhi augemacht hat, sind wir den Abend noch nach
McLeod Ganj aufgebrochen, der Residenzstadt des Dalai Lama im Exil.
Leider hält sich der gute Mann zur Zeit noch in Australien
auf, wie uns berichtet wurde. Ansonsten ist es wohl nicht ungewöhnlich
ihn dort auch zu Gesicht zu bekommen. Wir haben uns dann aber auch
nicht mehr sonderlich viel mir irgendwelchen Tempeln beschäftigt.
Primär ausgespannt und die Aussicht genossen...
Mal abgesehen vom heftigsten Muskelkater meines Lebens bin ich
echt schwer begeistert von dieser trekking Geschichte uns freü
mich schon riesig darauf im Juli nochmal trekken zu gehen.
Grüsse aus der Ferne,
Christian.
Ps. Ich habe gehört, dass die Berichte über die aktülle
Lage des Indien-Pakistan Konfliktes momentan doch ein wenig extrem
sein sollen. Bisher habe ich davon wenig mitbekommen, hier kümmert
sich eigentlich niemand um den Kaschmir-Konflikt. Vermutlich ist
das ganze wieder nur Säbelrasseln. Ich hoffe also einfach mal,
dass Indien und Pakistan bald wieder lieb züinander sind...
|